Kommentare sind ausgeschaltet für diesen Beitrag

Gebet, Armut, Einsamkeit und Buße

Säulen der Kongregation:

Gebet, Armut, Einsamkeit und Buße

Das dreihundertjährige Gründungsjubiläum unserer Kongregation ist für uns Anlass, über die Fundamente unserer Spiritualität und unseres missionarischen Engagements nachzudenken. Dabei orientieren wir uns am Charisma unseres Gründers Paul vom Kreuz, dem Gott eine besondere Sendung in seiner Kirche anvertraut hat.

Keiner von uns kann ein zweiter Paul vom Kreuz sein. Jeder Mensch ist einzigartig und auf individuelle Weise mit Gaben und Fähigkeiten von Gott beschenkt. Trotzdem liegen im Charisma, das Paolo Francesco Danei im Italien des 18. Jahrhunderts empfangen hat, einige Grundelemente, die für das Leben der von ihm gegründeten Gemeinschaft bestimmend sind. Ohne diese „Säulen“ würde das ganze Gebäude unserer Kongregation einstürzen. Im Folgenden möchte ich über „Gebet, Armut, Einsamkeit und Buße“ reflektieren, die wir als die klassischen Säulen der Kongregation bezeichnen.

Zunächst werde ich ihre Verankerung im Gründercharisma aufzeigen, um mich dann in einem zweiten Schritt der Frage zu stellen, was diese Begriffe im Leben der Passionisten weltweit zu Beginn des 21. Jahrhunderts noch bedeuten.

In der Einleitung zur Urfassung seiner Ordensregel beschreibt Paolo Francesco im Dezember 1720 einige fundamentale Inspirationen, die ihm Gott geschenkt hatte:

„Es war etwa 2 Jahre später, als da mich mein guter und liebster Gott zur Buße berufen hatte.“

Und weiter:

 „Gerade zu dieser Zeit wurde mir die Eingebung zuteil, einen ganz einfachen Habit (…) zu tragen, barfuß zu gehen, in äußerster Armut zu leben – kurz gesagt: mit der Gnade Gottes ein Leben der Buße zu führen.“

Außerdem spricht er mehrmals von dem starken Verlangen, sich in die Einsamkeit zurückzuziehen. Wörtlich heißt es an einer Stelle:

 „…ich wollte mich einfach in die Einsamkeit zurückziehen, sei es an jenem oder an einem anderen Ort. Auf diese Weise wollte ich auf den liebenden Anruf meines Gottes antworten, der mich in seiner unendlichen Güte gerufen hat, die Welt zu verlassen.“

Der Ruf zu einem Leben der Armut und Buße in der Einsamkeit mit Gott! Das war für unseren Stifter der erste starke Impuls zu Beginn seines geistlichen Weges.

Später kam noch die innere Eingebung hinzu, „Gefährten zu sammeln, die zusammen lebten und sich einsetzten, in den Seelen die Gottesfurcht zu stärken; denn dies war mein sehnlichster Wunsch.“

Die eben beschriebene Grundinspiration des jungen Danei fand ihre Entsprechung im biblischen Vorbild des „Lebens der Apostel“. In der „Notizia“ des Jahres 1747, in der Paul vom Kreuz Ziele und Struktur seiner jungen Gründung vorstellt, schreibt er:

 „Ihr Leben unterscheidet sich in nichts von jenem der Apostel. (…) die Handlungsweise der Apostel ist die Richtschnur der Konstitutionen gewesen, die einen Mann zu formen versuchen, der ganz Gott gehört, ganz apostolisch ist, einen Mann des Gebetes, losgelöst von der Welt, von den Dingen, von sich selbst, sodass er sich in Wahrheit einen Jünger Jesu Christi nennen kann und fähig wird, viele Kinder für den Himmel zu zeugen, die zu seiner Ehre gereichen.“

Dieses apostolische Lebensideal vereinigt für Paul die beiden Aspekte Kontemplation und Aktion auf harmonische Weise. Unter direktem Bezug auf die Stelle im Markus-Evangelium, die von der Rückkehr der Jünger von ihrer Mission handelt, schreibt er in der „Notizia“ von 1768:

„Bei der Rückkehr ins Ritiro  nach den apostolischen Diensten ziehen sich die Arbeiter im Weinberg des Herrn in größere Einsamkeit zurück, um bei den heiligen geistlichen Übungen neuen Geist zu schöpfen, gemäß der Aufforderung Jesu an die Apostel: ‚ruht ein wenig aus‘  (Mk 6,31).

Das Leben der Passionisten ist wie jedes gottgeweihte Leben ein Leben in der Nachfolge Christi. Zu den charakteristischen Grundelementen des Lebens der ersten Jünger Christi gehörten das Bleiben beim Herrn in der Zurückgezogenheit , das Gebet, die apostolische Armut, die Buße sowie die Aussendung zur Mission.

Wenn wir heute über die vier „Säulen“ unserer Kongregation „Einsamkeit, Gebet, Armut und Buße“ reflektieren, geht es in letzter Konsequenz um das eigentliche Wesen der Jüngerschaft Jesu Christi.

Das Leitwort des Jubiläums „Unsere Sendung erneuern“ will Initialzündung sein für einen Erneuerungsprozess innerhalb unserer Kongregation, der zu einer Verlebendigung unseres Charismas beiträgt und uns zu einer Gemeinschaft missionarischer Jünger in allen Teilen der Welt werden lässt.

Einsamkeit, nicht als Isolation, sondern als Raum für die Intimität mit Gott im Gebet. Armut, nicht als Elend, sondern als Erfahrung der Freiheit und als Grundlage eines authentischen Verkündigungsdienstes. Buße, nicht als Selbstkasteiung, sondern als Ausdruck einer beständigen Haltung der Umkehr. Alle diese „Säulen“ unseres Passionistenlebens werden uns helfen in diesem Prozess der Erneuerung und behalten deshalb ihre zeitlose Gültigkeit.

Nicht umsonst erinnerte unser Gründer am Ende seines Lebens in seinem geistlichen Testament noch einmal an jene charakteristischen Eckpfeiler, die seinen eigenen Weg und den Weg seiner Gemeinschaft geprägt haben und weiter prägen sollen:

„Des Weiteren empfehle ich Euch, (…) dass in der Kongregation immer mehr der Geist des Gebetes, der Geist der Einsamkeit und der Geist der Armut aufblühe. Seid gewiss: wenn man diese drei Dinge bewahrt, wird die Kongregation leuchten wie die Sonne im Angesicht Gottes und vor allen Menschen.“

 

von

Gregor Lenzen CP

Kommentarfunktion ist geschlossen.