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Eröffnung unseres Jubiläums in Schwarzenfeld

Am Sonntag, den 6. Dezember, dem Nikolaustag, war Bischof Dr. Rudolf Voderholzer bei den Passionisten in Schwarzenfeld zu Gast. Die Gemeinschaft, die seit November ihr 300-jähriges Bestehen feiert, hatte den Regensburger Oberhirten zur feierlichen Eröffnung ihres Jubiläumsjahres eingeladen. Der Gottesdienst um 10 Uhr war nach Möglichkeit optimal besucht. In der vorigen Woche hatte für die Gläubigen die Möglichkeit bestanden, sich mit telefonischer Anmeldung ein Ticket für die Festmesse zu sichern. Unter den Corona-Vorsichtsmaßnahmen und dem Motto „Wir lassen nichts ausfallen, wir lassen uns etwas einfallen“ konnte dem höchst feierlichen Anlass auch ein würdiger Rahmen verliehen werden. Begleitet wurde die Messe von der musikalischen Gestaltung der Passionistenschola.

In seiner Homilie würdigte der Festprediger im Besonderen das Markusevangelium, das – nach einer Redensart des evangelischen Theologen Markus Kähler – ein Passionsbericht mit einer langen Einleitung sei. Der Gipfel dieser Erzählung sei im Bekenntnis des Hauptmanns beim Tod Jesu zu finden: „Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn.“ Bemerkenswert sei, so Bischof Voderholzer, dass der Hauptmann schon vor dem Wunder der Auferstehung dieses Zeugnis ablege, einzig und allein unter dem Eindruck der Kreuzigung. Doch so würde klar, dass mehr hinter diesem Kreuz stecke. „So steht das Kreuz, wie es der heilige Paul vom Kreuz, der Gründer der Passionisten, gesagt hat, wirklich für die unverbrüchliche Liebe Gottes.“ Des Weiteren verwies der Regensburger Oberhirte auf die Glaubensvorbilder, die uns an diesem Tag gegeben waren: Johannes der Täufer, der heilige Nikolaus und der heilige Paul vom Kreuz. Sie mögen uns Vorbilder in unserer Entschiedenheit gegenüber Christus sein.

Im Anschluss an die erhebende Liturgie segnete Bischof Rudolf auf dem Kirchplatz ein Gedenkkreuz, das die Passionistenkommunität eigens für diesen Anlass bei Hubert Brickl in Pittersberg in Auftrag gegeben hatten. Es soll von nun an die Miesbergpilger in Empfang nehmen.

Schon vor zwei Wochen war in der Basilika Santi Giovanni e Paolo in Rom das Jubiläumsjahr für die internationale Gemeinschaft der Passionisten eröffnet worden. Die dafür errichtete Heilige Pforte wurde durch Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin eingeweiht. Für das kommende Jahr sind in der ganzen Welt zu diesem feierlichen Anlass Veranstaltungen geplant. Auch im deutschsprachigen Raum finden einige Jubiläumsveranstaltungen unter dem Jahresmotto „Dankbar – Prophetisch – Hoffnungsvoll: Die Sendung erneuern“ statt. Um in diesem Jahr besonders zur Umkehr einzuladen, hat der Heilige Stuhl für die Passionisten und alle, die mit ihnen verbunden sind, auch besondere Ablassprivilegien erlassen. Die Gemeinschaft will sich so in den kommenden Monaten ganz besonders ihren Ursprüngen und ihrer Mission in der heutigen Welt bewusstwerden.

Am 22. November 1720 wurde der junge Italiener Paolo Francesco Danei von seinem Bischof in das Ordensgewand eingekleidet. Tags darauf begann er 40-tägige Exerzitien in seinem Heimatort in Norditalien, die als Gründungsakt der Gemeinschaft betrachtet werden, deren Regel er in diesen Tagen schrieb. Nach dieser Zeit der Einkehr und des intensiven Hörens auf die Stimme Gottes lebte er fortan unter dem einfachen Namen Paul vom Kreuz und unternahm die ersten Schritte zum Aufbau einer Ordensgemeinschaft. Heute kennen wir sie unter dem Namen „Passionisten“.

In 63 Ländern vertreten besteht der männliche Ordenszweig mittlerweile aus fast 2000 Mitgliedern: Priestern, Laienbrüdern und Studenten, die sich auf das Priestertum vorbereiten. Zur passionistischen Familie gehören ebenfalls verschiedene Frauengemeinschaften, die sich auf das Vorbild und die Regel des heiligen Paul vom Kreuz berufen.

Passionisten, wie sie in Schwarzenfeld vertreten sind, legen neben den drei sogenannten evangelischen Räten – Armut, Keuschheit und Gehorsam – ein viertes Gelübde der besonderen Verehrung des Leidens Jesu Christi ab. Sie wollen in Dankbarkeit und Staunen der Passion gedenken und dieses Glaubensgeheimnis mit Wort und Tat verkünden. Der Ordensgründer Paul vom Kreuz sah nämlich im Leidensweg Jesu zeitlebens „das größte und erstaunlichste Werk der Liebe Gottes“, wie er in einem seiner geistlichen Briefe schreibt. Daher rührt auch der Name der Ordensgemeinschaft. Die große Liebe, die Gott uns in seinem Leiden gezeigt hat, soll Tag um Tag das Leben ihrer Mitglieder prägen und sie dazu führen, Gott und die Menschen zu lieben.

In Schwarzenfeld sind die Passionisten seit 1934, wo sie die Wallfahrtskirche auf dem Miesberg betreuen. 1945 hatte sich der damalige Ordensobere P. Viktor Koch einen Namen gemacht, als er – selber Amerikaner mit deutschen Wurzeln – die amerikanische Armee von einem Vergeltungsschlag gegen die Bewohner Schwarzenfelds abbringen konnte und so viele Menschenleben rettete. Heute haben die Patres ein vielfältiges Seelsorgeangebot vom täglichen Beicht- und Anbetungszeiten bis hin zu Lobpreisgottesdiensten und Pfarrmissionen.

Letztere erwähnte Bischof Voderholzer auch noch eigens in seiner Festpredigt. „Wir werden uns noch Jahre von den Folgen der Corona-Pandemie erholen müssen. Diese neue Form der Volksmission, die die Passionisten anbieten, scheint mir sehr geeignet zu sein, heute Leute anzusprechen und in die Kirche einzuladen.“ Verbunden mit dem Ruf Johannes‘ des Täufers, der uns an diesem Sonntag erreicht hat, ist das eine Einladung für die Gemeinschaft der Passionisten, sich am Anfang des vierten Jahrhunderts ihres Bestehens zu fragen: Wozu hat Gott uns in unserer Zeit berufen? Was will er, dass wir tun? Wie können wir heute unser Ordenscharisma leben?

Zur Klärung dieser Fragen will sich unsere Ordensgemeinschaft nun ein Jahr Zeit nehmen.

So feiern unsere Mitbrüder auf der ganzen Welt die Eröffnung unseres Jubiläums!

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