Marie-Marthe Chambon

Die Gesandte der Heiligen Wunden

 
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„Meine Wunden werden eure Wunden heilen!“ Dieses trostreiche, aktuelle Versprechen an Schwester Marie-Marthe Chambon, die man auch die „Faustine Frankreichs“ nennen könnte, gilt auch heute allen Menschen, die trotz ihrer Fehler nach Heiligkeit streben. „Ich achte nicht auf Deine Fehler. Ich schaue nur auf Deine Liebe, denn die Liebe tilgt alles.“
Schwester Marie-Marthe Chambon würde in den Augen der Welt wahrscheinlich kaum beachtet werden. Aber wer ein wenig tiefer blickt, wird bald verstehen, wie sehr es sich lohnt und wie tröstlich es ist, diese noch so wenig bekannte, heiligmäßige Ordensfrau kennen zu lernen. Ja, man kann nur staunen über ihr Leben voller Gegensätze: Heiligkeit trotz auffallender Fehler, grauer Alltag neben außerordentlichen Ereignissen; totale Verborgenheit und doch weltumspannendes Apostolat. Von einer Analphabetin wird man belehrt.


Leben und Sendung

Marie-Marthe Chambon auf dem SterbebettDie einfache Schwester des Heimsuchungsklosters von Chambéry in Savoyen ist ein lebendiger Beweis für das Schriftwort, dass der Vater im Himmel die Geheimnisse seines Reiches den schlichten Herzen offenbart.

Über 40 Jahre schleppt sie schwere Suppenschüsseln, deckt die Tische, serviert, putzt, räumt auf und spült ab. Sie hält verschiedene Säle des Internats in Ordnung, kümmert sich um den Garten und um das Pflücken des Obstes. Wenn es nötig ist, hilft sie auch in der Küche und bei der Wäsche.

Treu erledigt sie tagaus, tagein ihre glanzlosen, unscheinbaren Aufgaben. „Geh immer dorthin, wohin Dich die Pflicht ruft“, hatte ihr Jesus aufgetragen. Auf diese Weise verwirklicht sie das Ordensideal des heiligen Franz von Sales, der von seinen Schwestern wünscht: „Nicht eine glorreich bewunderte Heiligkeit, sondern ein Streben nach Vollkommenheit durch liebevolle Hingabe im Gewöhnlichen. Keine großartigen Werke, sondern selbstvergessener Dienst im Alltäglichen, wie Maria, Josef und Jesus selbst es 30 Jahre lang in Nazareth gelebt haben.“

Im April 1863 war sie mit 21 Jahren ins Kloster eingetreten und hatte bei ihrer Einkleidung als Laienschwester den Namen Marie-Marthe bekommen. Er drückt genau ihre Berufung aus: Als Marthe dient sie Jesus, ihren Mitschwestern und den Schülerinnen des Internats auf dem letzten Platz. Als Marie kniet sie treu zu Füßen ihres Herrn, den sie im Tabernakel und am Kreuz findet.

Françoise, so heißt sie mit ihrem Taufnamen, wird am 6. März 1841 als Älteste einer achtköpfigen Kinderschar in eine arme Bauernfamilie im französischen Dörfchen Croix Rouge bei Chambéry in Savoyen hineingeboren.

An einem Karfreitag hat die neunjährige Françoise das erste einschneidende Erlebnis. Sie geht mit ihrer Taufpatin zur Kreuzverehrung in die Krypta der Pfarrkirche von Lémenc. Nach dem Gebet sieht die Kleine Jesus zum ersten Mal: „Er war ans Kreuz geheftet, mit Blut bedeckt und von Wunden wie zerrissen.Oh, in welchem Zustand befand Er sich! Er sprach aber nichts zu mir.“

Ohne Worte berührt Christus ihr Herz, und es erfasst sie eine große Sehnsucht, ihn in der heiligen Kommunion zu empfangen. Dazu muss sie aber erst die Glaubenswahrheiten kennen. Erstaunlich rasch lernt sie in der Schule den Katechismus. Ihre ganze Schulbildung wird sich auf dieses einzige Fach beschränken. Sie lernt nie lesen und schreiben.

Nach der eindrücklichen Vision des Gekreuzigten bemüht sich das Mädchen mit seinen neun Jahren, aus Liebe zu Jesus kleine Opfer zu bringen. So bereitet es sich auf die Erste Heilige Kommunion vor, die es an Mariä Geburt 1850 empfängt. Später erzählt sie darüber: „Als ich kommuniziert hatte, sah ich den kleinen Jesus. Er sagte zu mir: „Kind, mein Liebling, so wird es jedes Mal sein, wenn Du zur Heiligen Kommunion gehst. Von da an habe ich Ihn immer gesehen. Wir waren immer beisammen.“

Tatsächlich begleitet Jesus sie bei der Arbeit auf dem Feld, beim Ziegenhüten, einfach überall. Mit großer Selbstverständlichkeit berichtet sie Jahre später ihrer Oberin über diese schönen Erlebnisse: „O wie glücklich war ich, ich hatte das Paradies im Herzen!“ Die Frage, ob sie darüber auch mit anderen gesprochen habe, verneinte sie erstaunt: „Ich habe immer geglaubt, alle sehen das Jesuskind so wie ich!“

Das göttliche Kind bleibt auch im Kloster weiterhin ihr steter Begleiter. Bei der Arbeit im Garten und im Speisesaal, immer ist sie in Gesellschaft des Jesuskindes, das ihr hilfreich zur Hand geht. Und die ganze Klosterfamilie kann nur staunen, welch ungeheures Arbeitspensum die gute Schwester Marie-Marthe schafft. Das Jesuskind ist auch ihr innerer Lehrmeister. Sie erzählt offen darüber: „Wenn ich es an Demut fehlen lasse, verbirgt Es sich und kommt erst wieder, wenn ich alles wieder gutgemacht habe. Nur das Sichdemütigen, das Sichkleinmachen bringt Es wieder zurück, das hat Es gern.“

Ihr kindliches Vertrauen, das alles vom göttlichen Helfer erwartet, befähigt sie auch zu jenem Opferleben, das Jesus immer mehr von ihr wünscht.

Im Jahre 1866 bittet Jesus die 25jährige Marie-Marthe, Ihm bei der Rettung der Seelen noch konkreter zu helfen. Sie soll Tag und Nacht einen Bußgürtel tragen und mit einer Dornenkrone auf dem Haupt ihre Nächte auf dem Fußboden verbringen, mit ausgestreckten Armen wie am Kreuz.

Später wünscht Er auch noch das Opfer des Schlafes. So kniet sie während der Nacht anbetend vor dem Allerheiligsten und fleht für Kirche und Welt. Dieses Opferleben führt sie unbemerkt von ihren Mitschwestern im abgeschiedenen Internatstrakt des Klosters.

Zwei Jahre später, im Januar 1869, erbittet Jesus von der jungen Schwester dann ein zusätzliches Opfer. Sie, die gern isst und wegen ihres feinen Geschmackssinnes von den Küchenschwestern oft zum Abschmecken der Speisen gerufen wird, soll nun gänzlich auf jede Nahrung verzichten. Treu lebt sie nun viereinhalb Jahre lang nur noch aus der Kraft der Heiligen Kommunion. Dabei arbeitet sie für zwei.

In einer dreitägigen Ekstase, im September 1867, wird der erst 26jährigen Marie-Marthe ihre eigentliche Mission geoffenbart. Sie schaut ihre universale Sendung symbolisch in einem leuchtenden Strahl, der von der Erde zum Himmel emporsteigt. Und sie versteht: es ist ihre Berufung, die heiligen Wunden Jesu der ganzen Welt zu künden und sie im Namen aller Menschen dem Ewigen Vater aufzuopfern.

„Ich wünsche, Mich den Menschen durch Dich mitzuteilen.“ (31. August 1869)

Von diesem Zeitpunkt an erscheint ihr Jesus oft mit blutenden oder verklärten Wunden und fordert sie immer wieder auf, diese zu betrachten und aufzuopfern. „Kind, Deine Aufgabe besteht darin, eine Gesandte Meiner Liebe zu sein, damit Ich besonders in der Zukunft durch meine Wunden erkannt und geliebt werde. Ich will, dass durch diese Andacht nicht nur die Seelen gerettet werden, die gegenwärtig leben, sondern noch viele andere dazu. Ich habe Dich erwählt, die Verdienste meines heiligen Leidens allen zuzuwenden. Dabei sollst Du stets im Verborgenen bleiben.“

Einmal sieht sie fünf Lichtstrahlen aus den Wunden des Auferstandenen hervorgehen und die Welt einhüllen. Dabei vernimmt sie die Verheißung: „Meine Wunden werden Euch unfehlbar retten, sie werden die Welt retten.“

Die äußere Form des Apostolates bleibt weiterhin der verborgene Dienst einer unbeachteten Laienschwester im Kloster.

„Komm und hilf Mir, viele Seelen zu retten! Du musst Deine Aufgabe gut erfüllen. Sie besteht darin, Meine heiligen Wunden dem ewigen Vater aufzuopfern. Dadurch wird die Kirche zum Triumph gelangen und zwar durch die Vermittlung Meiner makellosen Mutter. Der Sieg der Kirche besteht in der Rettung der Seelen. – Die heiligen Wunden sind der größte Schatz für die Armen Seelen im Fegfeuer.“

Jesus erklärt ihr auch, wie die Schwestern des Klosters den Heiligen Vater Pius IX. geistig stützen können: „Der Heilige Vater wird noch viel zu leiden haben. Für ihn wird es keinen Frieden mehr geben. Aber dank des Gebetes wird er sich in der Drangsal auf dem Stuhl Petri halten können. – Ich will, dass diese Kommunität eine Stütze des Heiligen Stuhles ist durch das Gebet und vor allem durch die Anrufung Meiner heiligen Wunden. Damit stellt ihr seinen Feinden einen Wall entgegen.“

Mit 33 Jahren empfängt Schwester Marie-Marthe nacheinander die Wundmale Christi, die sie dem Erlöser noch ähnlicher machen: „Du sollst von nun an eine kleine Märtyrerin Christi sein. Halte Dich bereit, alle Meine Wunden, eine nach der anderen, zu empfangen.“ Auf ihr Flehen hin hört nach einigen Monaten das Bluten der Wunden auf und im Lauf eines Jahres sind auch die Stigmen nicht mehr sichtbar. Nur heftige Kopfschmerzen bleiben.


Wer die Botschaft über die Verehrung der heiligen Wunden liest, wird unweigerlich an die Künderin der Barmherzigkeit Gottes, die heilige Schwester Faustine Kowalska, erinnert.

„Ihr könnt Euch immer in Meinen Wunden rein waschen. Meine Wunden sind groß genug für alle. Ich werde alles gewähren, um was immer man Mich durch die Anrufung meiner Wunden bittet. Man muss diese Andacht verbreiten.“ Als die Oberinnen 1868 im Kloster die Andacht in Form eines Wundenrosenkranzes einführen, drückt Jesus seine große Freude darüber aus.
1867 erscheint Schwester Marie-Marthe die Schmerzensmutter mit ihrem Sohn in den Armen und spricht: „Meine Tochter, ich habe die Wunden meines lieben Sohnes das erste Mal betrachtet, als sein heiliger Leib vom Kreuz abgenommen und in meine Arme gelegt wurde. Ich habe seine Schmerzen erwogen und versucht, sie in meinem Herzen nachzuempfinden. Ich habe seine heiligen Füße, einen nach dem anderen betrachtet. Von da habe ich mich seinem heiligsten Herzen zugewandt. Da sah ich diese große Wunde, die tiefste für mein Mutterherz. Dann betrachtete ich die linke Hand und danach die rechte und schließlich die Dornenkrone. Alle diese Wunden durchbohrten mein Herz. Das war mein Leiden… Durch mein Herz muss man die heiligen Wunden meines göttlichen Sohnes verehren.“

„Es ist unmöglich“, schreiben die Oberinnen, „all die Gnaden aufzuzählen, die das Kloster durch diese demütige Seele erhält, die unerkannt unter ihren Schwestern lebt.“ Wer weiß schon, dass sie diejenige ist, die von restlos abgeernteten Erdbeerbeeten oder Weinreben immer noch eine Menge köstlicher Früchte ins Kloster bringt? Wenn sie im Speisesaal Dienst tut, reicht ein Literkrug für 60 Schülerinnen.

Als im März 1868 der Kartoffelvorrat knapp geworden ist, geht sie im Auftrag Jesu täglich in den Keller, kniet nieder, macht drei Kreuzzeichen zu Ehren der Heiligsten Dreifaltigkeit und die Kartoffeln reichen bis zur nächsten Ernte.

Über die letzten zwanzig Lebensjahre der Schwester Marie-Marthe wird fast nichts mehr berichtet. Bei Gesprächen wiederholt sie schlicht und einfach: „Ich habe meine Mission erfüllt“. Ihr Leben ist nur noch ein stilles Beten, Lieben und Leiden.

Zu Weihnachten 1906, während der Mitternachtsmesse, hört eine Mitschwester die 65jährige Marie-Marthe rufen: „O mein Jesus, nur das nicht! Alles, nur das nicht!“ Man nimmt an, Jesus habe ihr angekündigt, sie müsse von nun an auf seine tröstliche Nähe verzichten. Von da an überschattet eine tiefe Traurigkeit ihre Gesichtszüge.

Wegen einer schweren Erkältung muss sie im Februar 1907 das Bett hüten. Der Arzt stellt ein schmerzhaftes Nierenleiden fest. Auf ihren Wunsch hin empfängt sie die Krankensalbung. Es folgen noch fünf Wochen mit schier unerträglichen Schmerzen. Aber qualvoller als alles andere ist ihre Gottverlassenheit. „Er sagt nichts. Oh, das ist das härteste Leid! Er ist fort!“ wiederholt sie immer wieder. Jetzt, in dieser inneren Dunkelheit, empfindet sie beinahe Furcht vor dem Sterben. In den letzten drei Tagen ruft sie immer wieder in äußerster Not: „Geliebter, mein Alles! Komm, aber komm schnell! Hilf, Mutter, hilf!“.

Die Schwestern sind um ihr Sterbebett versammelt und beten die Anrufungen zu den heiligen Wunden unseres Herrn. Zur Vesper des Festes der Schmerzen Mariens, am 21. März 1907 um acht Uhr abends, ist es soweit. Die Gesichtszüge der 66jährigen Ordensfrau entspannen sich. Die selige Jungfrau kommt, ihr Kind heimzuholen. Und der Bräutigam, der sie erwählt hatte zu Seiner Opferseele, Vertrauten und Künderin Seiner heiligen Wunden, nimmt sie für immer auf in Seine Herrlichkeit.

Mitschwestern und Verwandte bezeugen, dass sie im Tod erstaunlich verjüngt scheint und ihre Gesichtszüge ähnlich verklärt sind, wie dies zu ihren Lebzeiten manchmal nach dem Empfang der heiligen Kommunion oder nach langem Gebet der Fall war.

Das Haupt der Schwester trägt, dem damaligen Brauch entsprechend, den schwarzen Schleier der Chorschwestern und einen Kranz weißer Rosen. Ihr Ordenskleid, ihr einziges, ist so typisch für sie: abgenützt und geflickt wie kein anderes im ganzen Kloster, aber immer noch gut genug für sie, die so klein von sich dachte. Am 23. März 1907 im Stadtfriedhof begraben, wird sie zehn Jahre später in den Klosterfriedhof überführt und 1924 in die Kapelle der Sieben Schmerzen Mariens umgebettet. 1956 zieht der Konvent um nach St. Pierre d´Albigny und mit ihm auch die sterblichen Überreste von Sr. Marie-Marthe.
AussenansichtNach der Auflösung des Klosters, im Jahr 2006, kommen die Reliquien der Dienerin Gottes, deren Informativprozess zur Seligsprechung abgeschlossen ist und zur Weiterbearbeitung in Rom liegt, nach Marclaz bei Thonon-les-Bains. Mit ihr zusammen wird auch das Kreuz mit dem überlebensgroßen Korpus des Gekreuzigten übertragen, aus dessen Wundmalen einmal Lichtstrahlen auf den predigenden heiligen Franz von Sales fielen. Marie-Marthe verehrte dieses Kreuz (XV. Jh.) zu Lebzeiten sehr.

 

Innenraum
Dienerin Gottes, Schwester Marie-Marthe Chambon

Kardinal Leo Scheffczyk, München (1920–2005), erstellte im Jahre 1999 das Gutachten „Schwester Marie-Marthe Chambon und die Authentizität der Verehrung der Wunden Jesu Christi“ für die Glaubenskongregation in Rom. 2005 ließ er noch seine „Beurteilung der vier Berichtsbände über die Gnadenerweise der Dienerin Gottes“ folgen.
Diese theologischen Grundlegungen haben sowohl den Weg für die Seligsprechung, als auch für die Verbreitung der Wundenandacht auf eine neue Weise eröffnet.

 

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