Theologische Wertung

Die Kreuzes- und Wundenmystik der Schwester Marie-Marthe Chambon durchzieht ein leidenschaftlicher Zug zur Heimholung aller Menschen und der ganzen Welt in den universalen Heilsradius des Leidens Christi, der weit davon entfernt ist, in einer subjektiven Haltung des „Rette deine Seele“ befangen zu bleiben. An Marie-Marthes hingebungsvoller Verehrung der heiligen Wunden des Erlösers wird deutlich, dass die Rettung des Selbst nur in Einheit mit der Verpflichtung für das Ganze gelingen kann.

Schwester Marie-Marthe betrachtete die neu belebte Andacht als eine Ausfaltung der Herz-Jesu-Verehrung und sah sie aus dieser Wurzel entsprungen. Unter den Erscheinungen der fünf Wunden gilt der Seherin das durchbohrte Herz als das mit dem Kreuz verbundene Heilssymbol, zu dem die anderen Wunden hinzutreten, um das Erlösungsgeheimnis für den sinnenhaft empfindenden gläubigen Menschen weiter zu veranschaulichen und in seiner Realität zu bestärken. Dabei spielt der Gedanke eine nicht unwichtige Rolle, dass der ganze menschliche Leib des Erlösers vom Leiden betroffen war, obgleich der Seherin auch der Gedanke des heiligen Thomas von Aquin vertraut war, dass schon „ein Tröpfchen Seines Blutes“ zur Heilung der Menschheit genügt hätte. In diesem Sinne gilt ihr die Hinwendung zu den anderen Wunden des Erlösers nicht etwa als Ergänzung einer sonst geminderten oder gar fehlenden Erlösungsmächtigkeit, sondern als anschauliches kultisches Objekt für dessen lebendige, erfahrungsmäßige Verehrung im Herzen des frommen Beters.

Theologisch geurteilt, darf in dieser Ausfaltung der Herz-Jesu-Verehrung zur Devotion der heiligen Wunden eine noch stärkere Gewichtung der Heilsbedeutung der Menschheit Christi gesehen werden, die wirkliche Mitursache der Erlösung war in Funktion seiner menschlichen Natur. Im Ganzen sind die Kundgaben der Seherin von Chambéry, dem Genius der Privatoffenbarung zugehörend, Indizien für die Gnade eines eingegossenen Glaubens bei einem Menschen, der aus eigener Geisteskraft nicht zur Höhe und Lichthaftigkeit solcher übernatürlicher Einsichten hätte gelangen können.

Leo Kardinal Scheffczyk (1920 – 2005)

 

Franz von Sales zu seiner geistlichen Tochter

Gott hat dich erwählt, die Andacht zum heiligsten Herzen Jesu zu vervollständigen. Das Herz Jesu wurde meiner Tochter Margareta Maria geoffenbart und die heiligen Wunden Jesu meiner kleinen Marie-Marthe. Es bereitet meinem Vaterherzen eine besondere Freude, dass diese Ehre dem Gekreuzigten durch euch erwiesen wird. Das ist die Vollendung der Erlösung, nach der sich Jesus so sehr sehnte.

 

Jesus Christus zu Marie-Marthe

Ihr seid Arbeiter in Meinem Weinberg. Mit Meinen heiligen Wunden werdet ihr viel gewinnen, und zwar ohne Mühe.

Mein Vater findet Gefallen an der Aufopferung der Verdienste Meiner heiligen Wunden und der Schmerzen Meiner heiligen Mutter. Damit leistet ihr Genugtuung für die Sünden der Menschen.

Man soll das Gebet „Mein Jesus, Verzeihung und Barmherzigkeit, durch die Verdienste Deiner heiligen Wunden“ bei den Kranken oft wiederholen. Es wird Leib und Seele Erleichterung verschaffen. Mit diesem Gebet kann man nicht verloren gehen. Da ihr Mich um Verzeihung und Barmherzigkeit bittet, bittet ihr Mich um alles. Wundenrosenkranz

Kommt zu Meinen Wunden mit Glauben, Vertrauen und einem brennenden Herzen!

Ich betrachte die Liebe, mit der ihr arbeitet, damit Ich an allen Enden der Welt geliebt werde. Das tut ihr ohne Mühe, einzig und allein durch die Aufopferung Meiner Verdienste, Meiner heiligen Wunden.

Mit Meinen Wunden habt ihr alle Reichtümer des Himmels, um sie auf der ganzen Erde zu verteilen.

Ihr müsst großes Interesse bekunden am Heil derer, die während des Tages sterben und für ihr Seelenheil die Verdienste der heiligen Wunden aufopfern, und am Abend diese Aufopferung für jene erneuern, die in der Nacht sterben.

Nehmt in euren Nöten Zuflucht zum Wundenrosenkranz.

Der Sünder, der folgendes Gebet sprechen wird: „Ewiger Vater, ich opfere Dir die Wunden Deines Sohnes auf, um die Wunden meiner Seele zu heilen”, wird seine Bekehrung erlangen. Der Weg Meiner Wunden ist so einfach und so leicht, um in den Himmel zu kommen.

Ich will gewähren, um was man Mich durch die Verdienste Meiner heiligen Wunden bittet.

Ich bin im Tabernakel, um Gnaden zu verleihen. Ich habe die Hände voll davon. Ich gebe euch Meine Gnaden für die ganze Welt. Die Menschen wollen sie nicht annehmen. Deswegen gebe Ich sie euch für sie, damit ihr sie zur Geltung bringt zum Heil der Seelen und zur Linderung derjenigen, die im Fegefeuer sind.

 

Die Muttergottes zu Marie-Marthe

Ich habe die heiligen Wunden meines lieben Sohnes das erste Mal betrachtet, als ich Seinen heiligen Leichnam in meinen Armen hielt. Ich habe damit begonnen, Seine heiligen Füße zu betrachten. Von da bin ich zum Herzen gegangen, wo ich diese große Öffnung sah, die tiefste für mein Mutterherz. Dann habe ich Seine linke Hand betrachtet, dann die rechte Hand, schließlich Sein Haupt. All diese Wunden durchbohrten mein Herz. Verehrt die heiligen Wunden meines Sohnes in dieser Reihenfolge. Ich bin aus Demut den umgekehrten Weg gegangen.

Wollt ihr Reichtümer?
Schöpft sie aus den Wunden meines Sohnes! Alle Erleuchtungen des Heiligen Geistes entstammen den Wunden Jesu. Diese Gaben werden euch nach dem Maß eurer Demut zuteil. Ihr könnt den Verstorbenen im Fegfeuer so leicht Linderung verschaffen und ihnen den Himmel öffnen, wenn ihr die heiligen Wunden meines Sohnes Gott Vater aufopfert.