Seliger Lorenzo Salvi

Seliger Lorenzo Salvi

Sel. Laurentius vom Hl. Franz Xaver 12. 6.

Lorenzo Salvi ist ein Mann, welcher sein Leben in den Dienst Gottes gestellt hat. Zu Recht erhielt er das Attribut „immer in Bewegung“. Vor allem zeichnete er sich durch Milde und Demut aus, welche er in der Schule des Jesuskindes und der Familie von Nazareth gelernt hat.

Er wurde am 30. Oktober 1782 in Rom im Palazzo der Grafen von Carpegna in aristokratischem Umfeld geboren. Noch am selben Tag wurde er auf den Namen Laurentius Cajetanus Maria getauft. Seine Eltern waren Antonio und Marianna Biondi. Einen Monat nach seiner Geburt starb die Mutter, was gottseidank kein Trauma beim kleinen Lorenzo hinterließ. Seine Ausbildung begann er im nahegelegenen Collegio Romano, welches vom hl. Ignatius von Loyola gegründet wurde. Er lernte dort zusammen mit dem hl. Kaspar di Bufalo, dem Gründer der Missionare vom Kostbaren Blut und Mauro Cappellari, dem späteren Papst Gregor XVI.

Mit 19 Jahren, am 14. November 1801, trat er bei den Passionisten ein und erhielt den Namen Lorenzo Maria vom hl. Franz Xaver. Die Kongregation hatte er durch den hl. Bischof Vinzenz Maria Strambi (1745-1824) kennengelernt, welcher die erste Biographie über unseren Stifter Paul vom Kreuz verfasst hat. Ebenso war dieser der Seelenführer der sel. Anna Maria Taigi und des hl. Kaspar di Bufalo. Das Noviziat machte Lorenzo am Monte Argentario im Noviziatshaus San Giuseppe, welches im Juli 1761 eröffnet wurde und den Novizen ein den Wünschen des Gründers entsprechendes einsames und zurückgezogenes Ambiente bot. Dort legte er am 20. November 1802 die ewigen Gelübde ab. Am 29. Dezember 1805 empfing Lorenzo in Rom die Priesterweihe.

1808 fiel Napoleon in den Kirchenstaat ein. Durch das napoleonische Dekret wurden die damaligen Orden unterdrückt und aufgehoben. So musste auch Lorenzo von 1811 bis 1814 in den kleinen Konvent von Pievetorina (Provinz Macerata, Marken) fliehen, da auch er den Treueeid auf den Kaiser verweigerte. 1815 kehrte er wieder nach Rom zurück. Er hatte viele Ämter in der Kongregation inne, darunter auch das Amt des Rektors im Generalat Santi Giovanni e Paolo in Rom, wo sein Stellvertreter der spätere sel. Domenico Barberi war. Lorenzo verstand es, das kontemplative und aktive Leben zu verbinden, welches den Passionisten aufgetragen ist. Er war ein unermüdlicher Missionar, hervorragender geistlicher Begleiter und ebenso ein ausgezeichneter Organist. Viele Menschen suchten ihn in ihren Leiden auf und schätzten seinen Eifer und seine Umsicht. Über 260 fruchtbare Volksmissionen wurden von ihm geleitet und als Prediger wurde er von allen Ständen gerne gehört. Sein Wort war wirkungsvoll, da es begleitet wurde von einem heiligen Leben und zahlreichen Wundern.

Sein Charakteristikum war die zärtliche Verehrung des göttlichen Kindes, welches ihm im Jahre 1812 in Pievetorina erschien und ihn von einer schweren Krankheit heilte. Dieser Moment, das Mysterium von Bethlehem, „das süßeste und lieblichste der Mysterien“, verwandelte die Gesinnung seiner Askese, seine persönliche Mystik, sein Apostolat und auch seine Schriften. Um die Verehrung des göttlichen Kindes zu verbreiten legte er noch zusätzlich zu den vier Gelübden der Passionisten ein persönliches ab und verfasste zahlreiche Schriften und Bücher. Mit einem Bild des göttlichen Kindes, welches er liebevoll „mein süßer kleiner Herrscher“ nannte, wirkte er nicht wenige Wunder. Er wurde „Missionar des Jesuskindes“ genannt. Bethlehem, so sagte er, ist „die Grundschule jeder Tugend“. Lorenzo lebte und verkündete die „Seligpreisung der Kleinen und Unmündigen“, denen Christus die „Geheimnisse des Himmelreiches“ offenbart (vgl. Mt 11,25). Der „kleine Weg der geistlichen Kindschaft“, welcher später von der hl. Teresa von Lisieux beschritten wird, ist die Antwort Lorenzos auf die kulturelle und soziale Herausforderung seiner Zeit, welche andere Kategorien und Werte proklamierte.

Auch heute noch werden „Jesukinder“ verehrt, welche durch den Seligen hergestellt wurden. Ein Exemplar befindet sich in unserem Generalat in Rom, gegenüber der Sterbezelle des Stifters. Er schrieb auch eine Anleitung darüber wie diese herzustellen sind. Lorenzo gründete auch die Vereinigung „Drappello della Sacra Culla“, was soviel bedeutet wie die Schar der Heiligen Wiege, für die er auch ein eigenes Statut verfasste.
Als der Geist der Aufklärung erwachte und bereits vielen die Vernunft verdunkelte, sprach Lorenzo von einem Gott, der aus Liebe menschliche Natur annahm und ein kleines Kind wurde, um alle auf den Weg der Einfachheit des Herzens zu rufen.

1856 folgte er gehorsam dem Ruf seines Oberen sich nach Capranica bei Vetralla zu begeben, um einige Kranke zu besuchen, welche nach seinem Segen verlangten. Er ging, machte aber darauf aufmerksam, dass er nicht länger als drei Tage dort sein werde. Angekommen am 9. Juni 1856 empfing er die Besucher, hörte Beichte, segnete die Kranken und tröstete die Leidenden. Am 12. Juni starb er an einem Schlaganfall.

„Wir haben unseren Heiligen verloren“, sagten die Menschen, während sie versuchten Reliquien von ihm zu bekommen. Bevor Lorenzo in seinen Konvent zurückgebracht werden konnte, musste er auf Drängen der Einwohner in einer Prozession durch die Stadt getragen werden. Die Wachen hatten Mühe den großen Menschenandrang im Zaum zu halten.

Lorenzo wurde im Konvent San Angelo in Vetralla beigesetzt (Das Bild unten zeigt sein Grab). Papst Johannes Paul II. sprach ihn am 1. Oktober 1989 selig.

 

Radiovortrag

Sel. Lorenzo Salvi – Das Jesuskind, 23 MB, 50 Min.